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Wertemanagement
Die deutschsprachige Diskussion zur Unternehmensethik ist mit
dem Wertemanagement von theoretischen Begründungsfragen zu
praktischen Implementierungsfragen geschritten. Zur Überprüfung
der Implementierung von ethischem Management wurde eine Ethikzertifizierung
nach dem Standard SA8000 (1)
ins Leben gerufen.
 Abbildung 1: Kernbereiche nachhaltigen Wertemanagements.
Quelle: 4 Managers.de
Werte
Die Relevanz von Werten verdeutlicht die von ihnen ausgehende
prägende, normative Kraft und ihre integrative, gemeinschaftsstiftende
Wirkung.(22) Werte, so kann man sagen, bilden das Fundament von
Kooperation, Vertrauen und Verständigung.
Aus dem Zusammenwirken von Werten entsteht ein Wertesystem, dass
sich in gesellschaftsbezogenen Wertvorstellungen und persönliche
Lebenswerte aufschlüsseln lässt.(10)
Auf der Individualebene wirken persönliche intrinsische Werte
handlungsleitend, insofern ihnen eine Vorstellung darüber
vorausgeht, was gut oder gerecht ist (Urteil). Solche moralischen
Wahlwerte (Wahlakt)(22) reflektieren eine tugendethische(67)
Haltung (Entscheidung/Präferenzbildung) und werden um ihrer
selbst willen internalisiert. Handlungen zeigen dann auf, wie persönliche
Tugenden zur Geltung gebracht werden.
1 Social Accountability Standard 8000, ist das
erste international auditierbare Sozialverträglichkeitssystem, das auf Konventionen
der ILO (International Labour Organization), der Menschenrechtsdeklaration
und der UN-Konvention über die Rechte von Kindern beruht,
aus: Bickle, Karl-Hermann (2000), in Forum Eine Welt, http://einewelt.spd.de/aktuell/20001106/blickle.html,
Abruf: 20.11.02.
22 Sundrum,
Elisabeth (2002), eCultureTeam (EU-Lizenznehmer Values TechnologyTM),
Dynamisierung Ihres Wissenskapitals durch
eine wertebasierte
Kommunikations- und Kooperationskultur, Präsentationsdokumentation,
S.7.
10 Vgl.
König 2000 S. 171. (U-MA)
22 Prof. Dr. Fischer anlässlich
des EMAE-Kolloquiums vom 14. November 2002.
67 Auf
tugendethische Aspekte wird nicht näher eingangen, da es nicht
das Ziel dieser Arbeit ist, tugendethische Imperative zur Geltung
zu bringen.
Im Unterschied zu Normen, die ihre Adressaten zu einem Verhalten
verpflichten sind die Werte eines Kollektivs „als intersubjektiv
geteilte Präferenzen zu verstehen“(82).
In Unternehmungen wirken gemeinsame Werte (Unternehmenskultur)
identitätsstiftend (konstitutiv), verbindend, stabilisierend,
präventiv bzw. handlungsbeschränkend und handlungsorientierend
(normativ).
Professor Dr. Josef Wieland unterscheidet folgende Korporationswerte
-moralische Werte (z.B. Integrität, Fairness, Ehrlichkeit,
Vertragstreue, Verantwortung),
-Kooperationswerte (z.B. Loyalität, Teamgeist, Konfliktfähigkeit,
Offenheit),
-Leistungswerte (z.B. Nutzen, Kompetenz, Leistungsbereitschaft,
Flexibilität, Kreativität, Innovationsorientierung, Qualität)
und
- Kommunikationswerte (z.B. Achtung, Zugehörigkeit, Offenheit,
Transparenz, Verständigung)(40)
Moralische Werte, die Gegenstand der nachfolgenden Betrachtungen
sind, können wahlweise auf den Ebenen Individuum, Kollektiv
und Organisation verortet werden.
Wieland sieht vor, moralische „Werte (integrität, Ehrlichkeit)
in einem Wertemanagement zu integrieren und ihnen somit in der
distinkten Unternehmenskultur mittels Institutionalisierung einen
hohen Stellenwert zuzuordnen“(24).
Dieses Vorgehen ist jedoch insofern problematisch, als dass es
die individuellen Akteure sind, die Werte zur Geltung bringen,
indem sie Wertbegriffe durch ihr Verhalten mit Inhalten füllen.
Beim individuellen Akteur sind schon gewisse grundlegende Wertevorstellungen
vorhanden,
bevor er einem Unternehmen beitritt. Die dabei bei ihm vorliegende
Wertehierarchie
unterschiedet sich im allgemeinen von den Normen und Werten eines
Unternehmens.(50)
Um nun diesen Unterschied der Wertestrukturen so gering wie möglich
zu halten, ist
eine Anpassung sowohl von Unternehmensseite als auch von Mitarbeiterseite
notwendig (60).
82 Habermas Jürgen (1992): Faktizität und Geltung, S.311,
zitiert nach: Horster, Detlef (1996): Pädagogik und Ethik,
S.286
40 Wieland, Josef (2001), Script Reader Wirtschaftsethik, WerteManagementSystemZfW
, o.S.
24 Josef Wieland, Michael Fürst (2002), Konstanz Institut
für WerteManagement – Working Paper Nr.01, WerteManagement
- Der Faktor Moral im Risikomanagement, S. 21
50 113 vgl. Bullinger 1996, S. 69. (U-MA, S. 47)
60 113 vgl. Bullinger 1996, S. 69. (U-MA, S. 47)
Das Prinzip des Wertemanagments
Wertemanagementkonzepte sind visionäre Produkte. Als Akt
der Selbstverpflichtung gibt ein Unternehmen durch die Implementierung
von Wertenormen in das Unternehmensleitbild seinem Willen zur Einhaltung
ethischer Verhaltensgrundsätze Ausdruck. Der daraus entstehende
Gemeinnutzen ist die unternehmerseitig erhöhte Bereitschaft
zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung.
 Abbildung 2: Prinzip des Wertemangements
Bickmann & Kollegen
Wertemanagementkonzeptionen
Professionellen Wertemanagementsystemen können grundsätzlich
Praktikabilität und Vorzüglichkeit attestiert werden,
insofern sie, unabhängig ihrer methodischen Ausgestaltung,
alleine durch die Erfüllung positiver (Förderung) und
negativer Pflichten (Unterlassung) zur Konservierung von bedrohten
Wertekulturen beitragen.
Erst im Lichte der aus kritischen Beobachterkreisen angestellten
Kontinuitätsüberlegungen, denen Urteile über die
Glaubwürdigkeit von Unternehmensaussagen (Value Statement)
folgen, gewinnen die Faktoren, die die nachhaltige Wirksamkeit
und Handlungskonsistenz langfristig sicherstellen an Bedeutung.
 Abbildung 3: Die beiden Dimensionen praktischer Unternehmensethik
Quelle: Unternehmensberatung Crealistic AG (ethische Entscheidungen)
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Nachfolgend werden exemplarisch zwei Wertemanagementansätze
zu Vergleichszwecken vorgestellt. Die Präsentation der beiden
Modelle, deren wesentlichste Merkmale schematisch dargestellt wurden
(Abb. X), beschränkt sich dabei auf die Untersuchung der jeweiligen
Vorgehensweise bei der Werteevaluation und Werteimplementierung
sowie den Stellenwert der Moral im Allgemeinen (50).
WerteMagementSystem von Prof. Dr. Josef Wieland
Das anreizbasierte WerteManagementSystem (WMS-ZfW), das auf dem
theoretischen Fundament einer Governanceethik (12)
abstellt, folgt den beiden Perspektiven Compliance- & Werteorientierung.
Compliance dient der Sicherstellung konformen Verhaltens und der
formalen
Implementierung und Durchsetzung der firmeneigenen Leitlinien und
Verhaltens- und Verfahrensgrundsätze. Werte bestimmen die
Identität der Organisation und den Geist des Handelns, vor
allem in formal nicht geregelten Bereichen und Grauzonen (3).
50 Eine detaillierte Betrachtung und Explikation
der Modelle würde
den Umfang dieser Diplomarbeit sprengen.
12 Gegenstandsbereich der Governanceethik ist die Analyse der Funktionen
und Wirkungen von Moralregimes innerhalb der Führung, Steuerung
und Kontrolle von wirtschaftlichen Transaktionen.
Wieland, Josef (2001), Eine Theorie der Governanceethik, Zeitschrift
für Wirtschafts- und Unternehmensethik, H.2, 2001, S. 15.
3 Wieland, Josef (2002): Script Reader Wirtschaftsethik, WerteManagementSystemZfW,
S. 3.
Morlische Werte sind für Prof. Wieland „ein effizienter
Allokationsmechanismus, aber nur solange, wie sie in die Funktionserfordernisse
der Wirtschaft eingebunden sind und zugleich nicht ohne Rest in Ökonomie
aufgehen“ (48). Moral
stellt für ihn nur eine von vielen
in der Umwelt des Unternehmens vorhandenen Entscheidungslogiken
dar, „die ihre Lösungskompetenz in lokalen Entscheidungssituationen
jedoch immer nur in Kombination mit den anderen Logiken entfalten
kann“. „In ökonomischen Transaktionen ist sie
jedoch nie gegen beziehungsweise ohne die ökonomische Logik
(als Leitcodierung der Wirtschaft) und deren Rationalität
zu denken.“ (14) Die Gültigkeit moralischer Zurechnung
entscheidet sich in dieser Auslegung aufgrund der lokalen Kontexte.
Reflexion wird bei dieser Konzeption als Methode zur strategischen
Neuausrichtung verstanden. Sie findet, gleich wie die Werteverortung,
auf Unternehmensleitungsebene statt und hat ihren Gegenstandsbereich
in der gegenwärtige Organisationsidentität sowie der
gewünschten Organisationsentwicklung (5).
Für die Befähigung und Sicherstellung autonomer Entscheidungskompetenz
von Mitarbeitern in ethischen Konfliktsituationen, existieren keine
expliziten Leitlinien und Verfahren im WMS-ZfW (8). Solche Konfliktfälle
sind der Geschäftsleitung zu melden, die dann dazu aufgefordert
ist ihre Vorbildfunktion zu erfüllen und eine (begründete)
Entscheidung herbeizuführen. Angesichts der beschränkten
Verfügbarkeit von geschäftsführenden Unternehmensmitgliedern
wirft dieser Lösungsvorschlag jedoch einige praktische Fragen
auf.
Verhaltenskonsistenz soll durch die Ermittlung bestehender Leitlinien,
Verhaltens- und Verfahrensgrundsätze und Integration in das
WMS-ZfW erzielt werden (10).
48 Wieland, Josef
(1993): Die Ethik der Wirtschaft als Problem lokaler und konstitutionaller
Gerechtigkeit, S.. 17, zitiert nach: Stübinger, Ewald (1996),
Wirtschaftsethik und Unternehmensethik I, Script Reader Wirtschaftsethik
Bereichsethiken I, S. 157
14 Josef Wieland, Michael Fürst,
Konstanz Institut für WerteManagement – Working Paper
Nr.01/2002, WerteManagement - Der Faktor Moral im Risikomanagement,
S. 11
5 Wieland, Josef (2002):
Script Reader Wirtschaftsethik, WerteManagementSystemZfW, S.
5.
8 Wieland, Josef (2002): Script
Reader Wirtschaftsethik, WerteManagementSystemZfW, S. 6.
10 Wieland, Josef (2002):
Script Reader Wirtschaftsethik, WerteManagementSystemZfW, S.
2/3.
Diese Form der Instrumentierung anwendungsbezogener Ethiken in
das Unternehmkensleitbild sieht kein eigentliche Werteevaluation
und Wertebestimmung durch die Entscheidungsträger vor. Stattdessen
werden vorselektionierte Werte, die in einem Werteset (Werteviereckt)

Abbildung 4: Werteviereck
Quelle: Konstanz Institut für WerteManagement, Konstanz
zusammengefasst sind, zum integralen Bestandteil der Unternehmensrichtlinien.
Nicht nur die allgemeine Werteorientierung sondern auch“ die
Identität eines kollektiven Akteurs lässt sich aus dem
Werteset ableiten.“ (15) Offen bleibt, welches die Evaluationsgrundlage
dieses Wertesets ist. Gleichfalls bleibt unklar, welches die Bezugsgrössen
dieser Werte sind und nach welchen Grundsätzen die Kriterien
bestimmt wurden, die zu ihrer Selektion geführt haben.
Hall-Tonna-Inventory von Dr. Brian Hall und Dr. Benjamin Tonna
Das Hall-Tonna-Inventory, folgt den beiden Perspektiven Werteorientierung & Integrity.
Integrity dient der Sicherstellung eines dialogisch ermittelten
Wertekonsenses und einer umfassenden, freiwilligen Identifikation
mit firmeneigenen Leitlinien und Verhaltens- und Verfahrensgrundsätze.
Gemeinsame Werte bestimmen die Identität der Organisation
und den Geist des Handelns.
Morlische Werte sind für Dr. Hall und Dr. Tonna ein identitätsstiftendes
Medium zur wertegeleiteten Herausbildung einer Organisation, die
in die Funktionserfordernisse der Wirtschaft eingebunden ist, ohne
restlos in Ethik aufzugehen. Moral stellt in dieser Interpretation
eine zentrale Entscheidungslogik in Kombination mit anderen, gleich
gewichteten Logiken, dar. Die Gültigkeit moralischer Zurechnung
richtet sich nach der gemeinsamen Werteorientierung und den gemeinsam
festgelegten Verhaltensstandards.
Reflexion wird bei dieser Konzeption als Methode zur Werteevaluation
und moralischen Entscheidungsfindung verstanden. Sie findet, gleich
wie die Werteverortung, auf allen Hierarchiestufen statt und hat
ihren Gegenstandsbereich in der gegenwärtige Organisationsidentität
sowie der gewünschten Organisationsentwicklung.
Für die Befähigung und Sicherstellung autonomer Entscheidungskompetenz
von Mitarbeitern in ethischen Konfliktsituationen, existieren keine
(?) expliziten Leitlinien und Verfahren im xxx.8 (....) (8)
Verhaltenskonsistenz soll aufgrund gemeinsam evaluierter Werte
sowie gemeinsam festgelegten Verhaltens- und Verfahrensgrundsätzen
sichergestellt werden.
Diese Form der Integration anwendungsbezogener Ethiken in das
Unternehmensleitbild sieht eine Werteevaluation und Wertebestimmung
durch alle individuellen Akteure vor. 125 vorselektionierte Werte
(Value ToolsTM, s. Anhang), die von einem interdisziplinären
Fachteam entwickelt wurden, stehen als Vorschlag zur Werteevaluation.
Das gemeinsam festgelegte Werteset wird zum integralen Bestandteil
der Unternehmensrichtlinien.
15 Wieland, Josef (2002), Script Reader Wirtschaftsethik, o.S.
8 Wieland, Josef (2002): Script Reader Wirtschaftsethik, WerteManagementSystemZfW,
S. 6.
Bei Hall-Tonna-Inventory begreift man den individuellem und kollektivem
Akteur als zwei sozialer Systeme, die eine Werteharmonisierung
vornehmen. Man geht weiter davon aus, dass sowohl das Unternehmen
als auch der individuelle Akteur eine spezifische, in der Praxis
wirksame Werteorientierung haben, welche die individuelle Arbeitshaltung
prägen. Durch einen gemeinsamen Wertekodex soll ..... erreicht
werden.
Das Hall-Tonna-Inventory ermöglicht die Werteanalyse und
-entwicklung auf allen hierarchischen Stufen:

Werte Individueller Akteur Y Werte Team/Gruppe Y Werte Organsiationn
Die Klärung der vorhandenen Werteorientierungen in einem
Unternehmen und der Führungsmannschaft ist deshalb beim Hall-Tonna-Ansatz
Ausgangspunkt und notwendige Voraussetzung für die Entwicklung
von Werten. Wertorientierungen sollen bewußt gemacht werden,
um sie bestätigen oder korrigieren zu können.

Die Darstellung individueller und kollektiver Werteprofile erfolgt
mittels Mitarbeiterbefragung, mit dem Ziel, eine wirklichkeitskonstruktive
Perspektive der Unternehmensrealität und –identität
aufzuzeigen.
Somit ist eine Diagnose der mental-kulturellen Identität
des Unternehmens auf den Verhaltensebenen: Identität, Glaubensätze,
Fähigkeiten, Verhalten und Umfeld in Kombination von Sach-
und Verhaltenslogik möglich und veränderbar.
Konzeptionelle Parallelen
Hintergrund beider Konzepts ist die fundamentale Überzeugung,
dass Werte der Wert einer Organisation bestimmen. Aus dem Werteset
lassen sich die Werteorientierung sowie die Identität eines
kollektiven Akteurs ableiten.
Die Implementierung, Umsetzung und öffentliche Kommunikation
ist Sache der Firmenleitung, die durch Engagement auf allen Ebenen,
ihre Vorbildfunktion wahrnimmt.
Zur Sicherung der nachhaltigen Wirksamkeit sowie ethischen Sensibilisierung
und Aneignung von Entscheidungskompetenzen in moralischen Konfliktiksituationen
sehen beide Modelle Schulungen und Trainingsmassnahmen vor.

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